Was kann ich ganz am Anfang tun, damit schnell Vertrauen im Team entsteht?

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Icaroselli (Pixabay) CCO Public Domain

Na, das ist eine Fra­ge, wie Sie im Coa­ching und Work­shop immer wie­der gern von Kli­en­ten gestellt wird: Wofür müs­sen Sie ganz am Anfang sor­gen, damit im Team schnell Ver­trau­en ent­steht?

Mei­ne Ant­wort: Es kommt dar­auf an …

Auf was? Da fal­len mir vor allem 3 Punk­te ein: “Wie ist die Struk­tur des Teams?”, “Was ist Ihr Ver­ständ­nis von Ver­trau­en?”, und “Was meint für Sie “am Anfang”?”

Erst ein­mal also zur Struk­tur des Teams: Prä­senz­team oder ver­teil­tes Team (inklu­si­ve ver­misch­ter For­men)? Das macht einen erheb­li­chen Unter­schied, nicht wahr?

Und es hat mit Ihrem Ver­ständ­nis von Ver­trau­en zu tun: Bei Prä­senz­teams gehen wir meist (und zurecht!) davon aus, dass Ver­trau­en Hand in Hand mit bes­se­rem Ken­nen­ler­nen geht, wächst und gedeiht. Kommt Zeit, kommt Ver­trau­en. Bei ver­teil­ten Teams besteht eine räum­li­che (ggf. auch zeit­li­che, kul­tu­rel­le usw.) Tren­nung, die wesent­lich bewirkt, dass die For­mel “ein ange­mes­se­ner Zeit­raum führt zu unzäh­li­gen gemein­sa­men Erleb­nis­sen und per­sön­li­chem Ken­nen­ler­nen im Arbeits­all­tag und so schritt­wei­se zu trag­fä­hi­gem Ver­trau­en” nicht mehr gilt.

Der Fak­tor Zeit bringt Ihnen hier nicht den ent­schei­den­den Nut­zen: Wenn Sie hier­auf ver­trau­en woll­ten, wür­de Ver­trau­ens­bil­dung im ver­teil­ten Team auf jeden Fall sehr, sehr lang dau­ern.

Statt des­sen gibt es eini­ge For­schung zu einem bei ver­teil­ten Teams gut erkenn­ba­ren Phä­no­men, dem soge­nann­ten “Swift Trust”. Anmer­kung: Die­ses Phä­no­men gibt es offen­bar auch in Prä­senz­teams, in ver­teil­ten Teams ist es jedoch viel aus­ge­präg­ter und aus den genann­ten Grün­den auch wesent­li­cher. “Swift Trust” meint letzt­lich: Die Team­mit­glie­der sind in der anfäng­li­chen Ken­nen­lern­pha­se der Team­fin­dung bereit, einen ers­ten Ver­trau­ens­vor­schuss zu geben!

Das ist für Sie als Füh­rungs­kraft die Chan­ce, aus einem flüch­ti­gen Ver­trau­ens­vor­schuss­phä­no­men ganz viel zu machen. Übri­gens: Wenn Sie sich gern in solch wich­ti­ge Aspek­te pro­fes­sio­nell ein­ar­bei­ten, fin­den Sie unten als Anre­gung drei Tex­te, die zu lesen — mei­ne ich — lohnt.

Die ver­blei­ben­de Fra­ge ist jetzt: Was mei­nen Sie kon­kret mit “am Anfang”? Das ers­te Hän­de­schüt­teln (mit tro­cke­nen Hän­den und ange­mes­sen fes­tem Hän­de­druck)? Das ers­te Jahr? Oder das ers­te Mee­ting, den “Take-Off”, wie das heu­te oft heißt. Die meis­ten mei­ner Kli­en­ten mei­nen die­sen zeit­li­chen Rah­men eines ers­ten gemein­sa­men Mee­tings und Ken­nen­ler­nens.

Neh­men wir also an, es geht Ihnen um ein ver­teil­tes Team, das ers­te gemein­sa­me Mee­ting und Sie kön­nen zu recht davon aus­ge­hen, dass hier “Swift Trust” eine Rol­le spielt. Die­ses flüch­ti­ge Ver­trau­en heißt es nun mög­lichst gut zu nut­zen!

Wenn Sie ein rea­les Mee­ting haben — das kommt immer wie­der auch bei ver­teil­ten Teams vor und ich schrei­be das hier, damit auch  Füh­rungs­kräf­te von Prä­senz­teams etwas mit den fol­gen­den Gedan­ken anfan­gen kön­nen! — begrü­ßen Sie die Team­mit­glie­der. Ach­ten Sie auf Ihre Erschei­nung und Ihre Hän­de (s.o.). Ich erwäh­ne das beson­ders, weil das gepfleg­te Auf­tre­ten als ein Sich-Bemü­hen um den Ande­ren und natür­lich der Hand­schlag in unse­ren Brei­ten als wich­ti­ge ver­trau­ens­bil­den­de Ritua­le gel­ten.

In der Ken­nen­lern­pha­se ken­nen wir die ande­ren eben noch nicht! Will hei­ßen, “inne­re Wer­te” spie­len hier noch kei­ne Rol­le. Im Vor­der­grund ste­hen schnell zu gewin­nen­de äuße­re Ein­drü­cke, die das ers­te — und wie sich immer wie­der her­aus­stellt, sehr nach­hal­ti­ge — Bild vom Vor­ge­setz­ten, Kol­le­gen usw. prä­gen. Zum Bei­spiel: Aus­se­hen, Hän­de­druck, Stim­me, Into­na­ti­on, Kom­mu­ni­ka­ti­ons­fä­hig­kei­ten, Sozi­al­ver­hal­ten. Bei ver­teil­ten Teams im vir­tu­el­len Mee­ting spie­len hier­von die ers­ten bei­den Punk­te natur­ge­mäß kei­ne Rol­le, wenn Sie mit einem Prä­senz­mee­ting star­ten, gel­ten jedoch alle Punk­te und mehr. Es wäre also sicher hilf­reich, sich um eine “glaub­wür­di­ge” Stimm­la­ge und Stimm­füh­rung zu bemü­hen. Außer­dem natür­lich: Je kla­rer, ver­bind­li­cher und durch­aus ein wenig mehr als nötig von sich selbst preis­ge­ben­der Sie reden, umso för­der­li­cher im Sin­ne des Ver­trau­ens.

Denn umso eher befin­den sich Ihre Team­mit­glie­der “gefühlt” im grü­nen Bereich. Und die Ent­wick­lung eines Gefühls der Sicher­heit geht für vie­le Men­schen mit Ver­trau­en Hand in Hand. Viel­leicht neh­men Sie sich ein­mal selbst auf dem Han­dy auf, hören’s ab und fra­gen sich ehr­lich: “Macht es mir die­ser Mensch leicht, Ver­trau­en zu ihm/ihr zu fas­sen?”

Ver­teil­te Teams sind in der Regel erkenn­bar auf­ga­ben­ori­en­tier­ter — wis­send, dass sie die ande­ren nur sel­ten per­sön­lich erle­ben wer­den — als Prä­senz­teams. Zu wis­sen, dass man sich bei sei­nen Kol­le­gen auf aus­ge­wie­se­ne Exper­ti­se — Abschlüs­se, bis­he­ri­ge Posi­tio­nen und nach­voll­zieh­ba­re beruf­li­che Erfol­ge usw. — ver­las­sen kann, hilft dem eige­nen Ver­trau­en auf die Sprün­ge. Das gilt auch für kla­re Infor­ma­tio­nen über die künf­ti­gen Struk­tu­ren und dar­über, wie jeder in das Gesamt­ge­fü­ge der künf­ti­gen Auf­ga­ben­stel­lun­gen passt. All dies gibt Anlass, den ande­ren Ver­trau­en ent­ge­gen­zu­brin­gen.

Ihrem Team und Ihnen wird es daher sicher hel­fen, gera­de die Exper­ten-Aspek­te der künf­ti­gen Team­mit­glei­der zu beto­nen: Vor­stel­lungs­run­den, in denen paar­wei­se die eine den ande­ren vor­stellt, kön­nen sol­chen Infor­ma­tio­nen zu noch mehr Glaub­wür­dig­keit zu ver­hel­fen. Dann muss sich näm­lich nie­mand selbst über den grü­nen Klee loben (auch wenn er oder sie die geäu­ßer­ten Infor­ma­tio­nen gera­de erst von der/dem Vor­ge­stell­ten erhal­ten hat). Auch Ihre Äuße­run­gen als Füh­rungs­kraft, wel­che beson­de­re Exper­ti­se die Ein­zel­nen in Ihren Augen für das Team mit­brin­gen, hilft, den “Swift Trust” aus­zu­wei­ten.

Was noch könn­ten Sie tun? Machen Sie sich einen Plan. Und zwar einen, der zu Ihnen passt: Auch die Authen­ti­zi­täts­ver­mu­tung der Teil­neh­me­rIn­nen Ihnen gegen­über ist ein wich­ti­ger Bau­stein für die all­ge­meins Ver­trau­ens­bil­dung. Nut­zen Sie den flüch­ti­gen Ver­trau­ens­vor­schuss Ihres Teams gezielt aus. Denn auch für den “Swift Trust” gilt “vor­bei ist vor­bei” und Sie können’s nicht nach­ho­len. Sie wis­sen ja: Beim ver­teil­ten Team benö­ti­gen Sie das Ver­trau­en gleich vor­ab, weil Sie sonst Teament­wick­lung aus der Fer­ne kaum wirk­sam anbie­ten kön­nen!

Sie haben hier­zu wei­te­re Ide­en, die Sie gern tei­len wür­den, zu denen Sie Feed­back dazu bekom­men oder Hand­lungs­al­ter­na­ti­ven ent­wi­ckeln wol­len? Dann machen Sie gern mit beim nächs­ten Lunch-Tele­Work­shop zu die­sem The­ma. Mehr dazu fin­den Sie hier auf coachingcolleg.de.

Ihnen bei der Ver­trau­ens­bil­dung in Ihrem Team viel Freu­de und Erfolg!

 

 

Lese­an­re­gun­gen zum “Swift Trust”:

  • Fer­raz­zi, K. (2012): How to Build Trust in a Vir­tu­al Work­place. In: Har­vard Busi­ness Review. Online https://hbr.org/2012/10/how-to-build-trust-in-virtual/ (Zugriff 4.3.2016).
  • Robert, L. Jr./Dennis, A./Hung, Y.(2009): Indi­vi­du­al Swift Trust and Know­ledge-Based Trust in Face-to-Face and Vir­tu­al Team Mem­bers. In: Jour­nal of Manage­ment Infor­ma­ti­on Sys­tems, Fall 26(2), S. 241–279.
  • Crisp, C. B./Jarvenpaa, S.(2013): Swift trust in glo­bal Vir­tu­al teams trus­ting beliefs and nor­ma­ti­ve actions. In: Jour­nal of per­son­nel psy­cho­lo­gy, 12(1), S. 45–56.

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